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Mit Tränen zum Sieg

Stefan Rechnsteiner rast beim Viktoria-Duathlon dem Heuschnupfen davon GROSSENENGLIS. Am liebsten hätte man Stefan Rechsteiner bei der Siegerehrung des Viktoria-Duathlons in Großenenglis eine Packung Tempo-Taschentücher überreicht. Jedes Frühjahr, wenn die Birkenpollen durch die Luft fliegen, tränen dem Ausdauerspezialisten des Kasseler Vereins 3athlon.org die Augen, und die Nase läuft. Beim traditionellen Saisonauftakt im Borkener Stadtteil blieb dem 39-Jährigen der Heuschnupfen bislang erspart, weil es Ende April meist regnete, stürmte und manchmal sogar schneite.
Am Samstag bei der 13. Auflage sorgte der Klimawandel indes für hochsommerliche Temperaturen und machte Rechsteiner das Siegen schwer - verhindern konnten die Wärme und die Pollen den zweiten Sieg des 39-Jährigen nach 2004 aber nicht. Nach 2,5 km Laufen, 16 km Radfahren und 2,5 km Laufen lag er in 45:44 Minuten 47 Sekunden vor seinem Mannschaftskollegen Daniel Gebert. Schon auf der Laufstrecke hatte Rechsteiner ordentlich Tempo gemacht und auf den zwei Radrunden den entscheidenden Vorsprung herausgefahren. „Aber am Ende war ich stehend K.o.“, gestand der Physiotherapeut, der mehrere Starter für den Kassel-Marathon vorbereitet.
Des einen Leid ist des anderen Freud. Das warme Wetter bescherte der Radsportabteilung des TuS Viktoria Großenenglis einen neuen Teilnehmerrekord: 175 Starter gingen über drei Distanzen auf die Strecke. Die meisten kamen aus Südhessen, wo es mehr Talente zu geben scheint als Birkenpollen an einem sonnigen Frühlingstag in der Luft. Siegerin Susanne Mücke vom SF Tria Roßdorf bei Darmstadt etwa begann erst im vergangenen Sommer mit dem Triathlonsport. In Großenenglis verwies die 18-Jährige in 57:06 die Nordhessinnen Hannah Menne (3athlon.org, 57:48) und Melanie Räder (TSV Heiligenrode, 58:48) souverän auf die Plätze.
Bester heimischer Athlet war Paul Ksionsko vom TuS Fritzlar (47:56). Der hoch gehandelte Odershäuser Jan-Eike Kistner im Trikot des TuS Griesheim wurde dagegen von den Wettkampfrichtern disqualifiziert. Erst bekam er eine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens aufgebrummt, anschließend beschimpfte er den Verbandsmann. Auch Kistner hätte man gern ein paar Taschentücher gegeben.



Eindrucksvolle Bilanz: Stefan Rechsteiner siegte nach 2004 zum zweiten Mal in Großenenglis. Bei den letzten fünf Rennen kam er jedes Mal unter die ersten Drei. „Großenenglis ist mein Lieblingsrennen“, sagt der 39-Jährige, „hier hat man keine Zeit, Luft zu holen. Man muss ständig Vollgas geben.“




Schnellste Frau: Susanne Mücke vom SF Tria Roßdorf bei Darmstadt hat erst im vergangenen Sommer mit dem Triathlonsport begonnen. In Großenenglis war sie nicht zu schlagen. „Das hat Spaß gemacht“, sagt die 18-Jährige. Das sah man ihr auch an.

Fotos: Richard Kasiewicz

Bericht der HNA